Wadgassen

Unter Wadgassen ist sowohl die saarländische Gemeinde im Landkreis Saarlouis, rund 15 Kilometer westlich von Saarbrücken, als auch der Gemeindeteil Wadgassen selbst zu verstehen. Zur besseren Unterscheidung wird im Schriftverkehr auch die Formulierung Wadgassen (Ort) genutzt, wenn es um den Gemeindeteil geht. Die Gemeinde besteht aus den Gemeindeteilen Differten, Friedrichweiler, Hostenbach, Schaffhausen, Wadgassen (Ort) und Werbeln.

 

Lage

Wadgassen ist im Tal der Bist gelegen, einem linksseitigen Zufluss der Saar, am nördlichen Rand der Warndt-Region und somit im südwestlichen Teil des Saarlandes. Die nächstgelegenen Städte sind Saarlouis in ca. 7,7 km und Völklingen in 6 km Entfernung. Die Gemeinde wird von der Bist durchflossen, die bei Hostenbach in die Saar mündet. Im Gemeindebesitz ist die Rotsolig-Quelle in Wadgassen (Ort), die über den Ellbach u. a. das Wadgasser Naturfreibad mit Wasser versorgt.

 

Geschichte

Wadgassen trug in der Vergangenheit eine ganze Reihe von Bezeichnungen, die sich nicht auf naheliegende Formen wie Wadgaßen oder Wadgass reduzieren lassen. Einige dokumentierte Namen lauten: Villa Wuadegozzinga sowie Wadegozzinga, Vallis Goziensis, Wadegassen, (de) Wadgozen, Wadegocenges, Wadegoyzen, Wadegozinga, Wadegozhingen, Wadegozzinga, Wategozingen, Watlegozinga.

 

 

Frühzeit

Mehrere archäologische Funde in Differten und Friedrichweiler weisen darauf hin, dass die Gegend schon in der Steinzeit bewohnt gewesen ist. Neben einem keltischen Grabhügel stieß man bei Ausgrabungen in Differten auf Siedlungshinweise aus der Römerzeit. Diese beschränken sich aber, neben wenigen Funden die auf einen kleinen Vicus hindeuten, auf nachweisbare Querverbindungsstraßen zu den Routen Divodurum – Vicus Saravus – Mogontiacum sowie Augusta Treverorum – Contiomagus – Vicus Saravus. Ein besonderer Fund war die sehr gut erhaltene Sandsteinplatte des Merkur von Differten, die beim Abriss der alten Ortskirche 1893 entdeckt wurde und den Gott Merkur mit Heroldsstab darstellt. Die gallo-römische Darstellung ist ein wichtiges Indiz für die kontinuierliche Besiedlung auch in der römischen Epoche. Eine Kopie der Platte befindet sich in der Merkurstube der Bisttalhalle in Differten.

 

 

Königshof und Abtei

Die ersten urkundlichen Funde weisen die Gegend der heutigen Großgemeinde Wadgassen als einen fränkischen Königshof aus, der wahrscheinlich nach der Völkerwanderungszeit entstand. Im Jahre 902 ist Wadgassen, als Villa Wuadegozzinga bezeichnet, Aufenthaltsort des Karolinger-Königs Ludwig das Kind, der hier eine Urkunde ausstellte. Die ersten urkundlichen Erwähnungen der anderen Gemeindeteile erfolgen deutlich später. Die älteste Urkunde aus dem Jahr 1067 erwähnt dabei Differten. Die Orte Werbeln, Hostenbach und Schaffhausen werden erst deutlich später in den Jahren 1214, 1225 und 1325 erstmals urkundlich aufgeführt. Die Gründungsurkunde von Friedrichweiler datiert sogar erst aus dem Jahr 1725.

 

Der Königshof gelangt 1080 durch Schenkung König Heinrich IV. in den Besitz von Sigbert I., dem Grafen des unteren Saargaues. Sigberts Sohn, Graf Friedrich von Saarbrücken, bestimmte den Hof mit allen zugehörigen Besitzungen testamentarisch zur Gründung eines Augustiner-Chorherrenstifts. Erzbischof Albero von Trier gründete 1135 im heutigen Ort Wadgassen ein Prämonstratenserkloster, dessen erster Abt der aus der Abtei Prémontré berufene Chorherr Wolfram war.

 

Einzugsgebiet der Abtei und Rodener Sprengel

In den folgenden Jahrhunderten bis zu ihrer Auflösung im Jahre 1792 entwickelte sich die Abtei Wadgassen durch das Wirken der Prämonstratenser-Chorherren, durch Stiftungen und Schenkungen zu einem geistig-kulturellen Zentrum an der mittleren Saar mit großem Streubesitz und einer ausgedehnten Herrschaft. Deren Kernbereich war Wadgassen, das heißt die eigentliche Abtei mit dem Oberhof und dem Spurk, der Meierei Hostenbach mit den Orten Hostenbach, Schaffhausen und dem Dorf Werbeln. Differten war zu Beginn der Französischen Revolution zur Hälfte im Besitz der Abtei, in Friedrichweiler hatte sie lediglich Besitzungen. Auch der heutige Stadtteil Roden der Kreisstadt Saarlouis gehörte für einige Dekaden zur Wadgasser Abtei. Von 1687 bis 1721 übertrug die Benediktinerabtei Tholey ihre verbrieften Rechte am Rodener Sprengel an die Wadgasser Abtei. Die Nichteinhaltung der Absprachen führte zu einer Klage der Abtei Tholey in Trier, die letztlich die alten Besitzrechte wiederherstellte.

 

Die Tatsache, dass Mitglieder der Familie Bruch als Inhaber der gleichnamigen saarländischen Brauerei G.A. Bruch während drei Generationen Pröpste der Wadgasser Abtei gewesen sind, in der nachweislich seit Anfang des 16. Jahrhunderts bereits Bier gebraut worden war, führte zur Entstehung des Wadgasser Klosterbräu im Jahre 2011. Im Hinblick auf die vergangene Zeit und die nicht mehr vorhandene Originalrezeptur hat dieses Bier eher eine heimatkundliche Marketing-Bedeutung.

 

 

Cristallerie

Im Jahr 1843 wurde von Nicolas Villeroy, Jean-François Boch und Eduard Karcher die Cristallerie Wadgassen gegründet, deren erster Leiter Eugen von Boch wurde. Die Cristallerie dominierte die Wadgasser Industrie bis Mitte des 20 Jh., was an vielen alltäglichen Details, so auch beim Namen des Karnevalvereins „Glasspatzen“ erkennbar ist. Die V&B Cristallerie war hier jedoch nicht der erste Betrieb zur Glasherstellung. Schon um 1680 gab es in Wadgassen-Werbeln eine kleine Glasmanufaktur der Abtei. Die letzte Glasproduktion fand in den 1980er Jahren statt. Eine Umnutzung der Fläche der alten Lagerräume und der Brennöfen des Hauptgebäudes erfolgte in den 1990ern durch das Sommertheater. So wurden dort die „New York Story“ (1996), die „Herzbstzeitlosen“ (1997), das „Cabaret“ (1998), „Der Mann von La Mancha“ (1999) aufgeführt. Aus Kostengründen wurde das Sommertheater 2000 eingestellt.

 

 

Großgemeinde/Gemeinde

Am 1. Januar 1974 wurden die dem Amt Wadgassen angehörigen Gemeinden Differten, Hostenbach, Schaffhausen und Werbeln im Zuge der Gebiets- und Verwaltungsreform im Saarland an die Gemeinde Wadgassen angegliedert, wodurch die Großgemeinde Wadgassen entstand. In Veröffentlichungen ist die (Selbst-)Bezeichnung Gemeinde Wadgassen häufig zu finden. Bis zur Einführung des einheitlichen fünfstelligen Postleitzahlensystems 1993 lautete die PLZ 6633, danach 66787.

 

 

Rekommunalisierung

 

Seit Ende der 1990er und verstärkt ab 2000 bemüht sich die Gemeinde um die Rekommunalisierung unterschiedlicher Bereiche der Ent- und Versorgung. Sie realisiert dies durch die an die Gemeinde gekoppelten Bäderbetrieb Wadgassen GmbH und den Entsorgungsbetrieb. Die Bäderbetrieb Wadgassen GmbH hat als Tochterbetrieb die Gemeindewerke Wadgassen GmbH und diese wiederum die GemeindeStrom Wadgassen GmbH etabliert. Der Bäderbetrieb Wadgassen GmbH obliegt die Verwaltung des Hallenbades und der Sauna in Differten sowie des Freibades in Wadgassen (Ort). Die Gemeindewerke Wadgassen GmbH tritt im Bereich Wasserversorgung als Betreiberin und im Vertrieb auf, im Bereich Abwasser nur als faktorierendes Organ, im Bereich Strom als Netzbetreiberin und im Bereich als Gasnetz als Verpächterin. Der GemeindeStrom Wadgassen GmbH obliegt rein der Vertrieb des Stromes.

 

Hoheitliche Aufgabenbereiche wie Abwasser- und Müllentsorgung sind im Entsorgungsbetrieb zusammengefasst. Nach dem EVS-Ausstieg bietet die Gemeinde auch die Müllabfuhr selbst an und unterhält einen eigenen, noch provisorischen Wertstoffhof in der Bahnhofstraße in Wadgassen (Ort).

Quelle: Wikipedia